„Was ist eigentlich los mit Dir?“ – die Frage, die zu viele Frauen einmal im Monat hören (und die Antwort, die Du wirklich brauchst)
Blogbeitrag – Zyklus „Was ist eigentlich los mit Dir?" – die Frage, die zu viele Frauen einmal im Monat hören (und die Antwort, die Du wirklich brauchst) - Katharina Graff-Haberbosch

Dein Partner räumt die Spülmaschine aus und stellt einen Teller einfach in den falschen Schrank rein. Nicht in den, wo er hingehört – sondern irgendwo dazwischen, weil es gerade schneller ging. Bevor Du überhaupt merkst, was in Dir passiert, ist der Satz schon raus: „Kannst Du nicht einmal einfach hinschauen?!“ Scharf, lauter als nötig, viel zu viel für einen Teller im falschen Schrank. Er hält kurz inne. Und dann kommt dieser eine Satz, meistens ganz ruhig gesprochen, was es irgendwie noch schlimmer macht: „Was ist eigentlich los mit Dir?“

Schon die Frage selbst fühlt sich an wie ein Vorwurf, obwohl sie das gar nicht sein soll. Du verdrehst innerlich die Augen, vielleicht auch sichtbar, und am liebsten würdest Du zurückfauchen: „Nichts ist los, lass mich einfach in Ruhe.“ Du weißt selbst nicht so richtig, was los ist. Eben noch ging es Dir gut, und jetzt möchtest Du am liebsten schreien, weinen, oder beides gleichzeitig. Also sagst Du das, was die meisten von uns in diesem Moment sagen: „Nichts. Alles gut.“ Und gehst ins Bad, um dort in Ruhe fertig zu sein mit der Welt.

Die gute Nachricht vorweg: Es gibt tatsächlich eine ehrliche Antwort auf diese Frage. Nur eben nicht die, die Du bisher gegeben hast.

Warum Dir vor der Periode ständig die Frage „Was ist eigentlich los mit Dir?“ gestellt wird

Diese Frage kommt selten aus bösem Willen. Meistens steckt einfach Verwirrung dahinter, weil sich das Gegenüber an die Person von letzter Woche erinnert – die entspannte, die über den falsch eingeräumten Teller nur gelacht hätte.

Was Dein Partner, Deine Kollegin oder Deine Mutter in diesem Moment nicht sieht: Bei Dir laufen gerade komplett andere biochemische Prozesse ab als noch vor zwei Wochen. Diese Reizbarkeit vor der Periode kommt nicht daher, dass Du Dich plötzlich verändert hättest. Sie hängt direkt damit zusammen, dass Progesteron und Serotonin in der Woche vor der Periode absacken – und mit ihnen der Puffer, der Dich sonst gelassen bleiben lässt, wenn jemand die Spülmaschine falsch einräumt.

Serotonin ist unter anderem dafür zuständig, wie Du kleine Reize einordnest – ob ein falsch eingeräumter Teller ein Nichts ist oder ein echtes Problem. Sinkt der Spiegel, verschiebt sich diese Einordnung, ohne dass Du das aktiv steuern kannst. Was sonst als Kleinigkeit an Dir abprallt, trifft jetzt mit voller Wucht. Das ist auch der Grund, warum Dir Deine eigene Reaktion hinterher oft selbst übertrieben vorkommt – Du merkst es meistens erst, wenn der Satz schon draußen ist. Wie genau dieser hormonelle Mechanismus funktioniert, hab ich hier einmal ausführlich aufgeschrieben.

Für den Moment in der Küchentür reicht erstmal diese eine Erkenntnis: Da tickt gerade Dein Hormonhaushalt, nicht Dein Charakter. Kleinigkeiten wiegen in dieser Woche einfach schwerer, weil Dein Nervensystem weniger Puffer hat als sonst.

Die eigentliche Antwort auf „Was ist eigentlich los mit Dir?“

Am längsten hat bei mir gedauert zu lernen, dass „Nichts, alles gut“ zwar die schnellste Antwort ist, aber auch die, die am meisten kaputt macht. Dein Gegenüber steht dann ratlos da, weiß, dass irgendwas nicht stimmt, darf aber nicht fragen – und Du selbst bist am Ende genauso allein mit dem Gefühl wie vorher, nur jetzt zusätzlich gereizt, weil sich niemand traut, nochmal nachzuhaken.

Bevor Du überhaupt in der Lage bist, ehrlich zu antworten, brauchst Du meistens erstmal selbst einen Moment. Ein paar Schritte raus aus der Situation, kurz Wasser ins Gesicht, oder einfach 60 Sekunden bewusst durchatmen, bevor Du überhaupt den Mund aufmachst. Danach fällt es leichter, dass der nächste Satz nicht wieder scharf rauskommt, sondern wirklich das sagt, was Du meinst.

Es gibt einen Mittelweg zwischen „Nichts“ und einer kompletten hormonellen Erklärung mitten im Küchenstreit. Etwas wie:

„Ehrlich gesagt bin ich gerade dünnhäutig, das hat nichts mit Dir zu tun. Gib mir eine halbe Stunde für mich, dann bin ich wieder da.“

Das benennt einfach, was gerade passiert. Du rechtfertigst Dich nicht, und Du gibst niemandem einen Freifahrtschein, andere schlecht zu behandeln – Du sagst nur ehrlich, wie es Dir geht.

Eine Freundin hat mir mal erzählt, wie sie das für sich gelöst hat: Sie hat mit ihrem Partner einen einzigen Codesatz vereinbart. Wenn sie sagt „Ich bin gerade im Herbst“, weiß er sofort, dass es nicht um ihn geht, sondern um ihre Lutealphase, und dass sie jetzt am liebsten für sich sein möchte. Kein langes Gespräch nötig, kein Rechtfertigungsdruck. Nur zwei Worte, die für beide eine klare Bedeutung haben.

Noch besser wird es, wenn Du gar nicht erst wartest, bis die Frage überhaupt fällt.

Reizbarkeit vor der Periode ansprechen, bevor überhaupt gefragt werden muss

Der cleverste Umgang mit dieser Frage ist eigentlich, ihr zuvorzukommen. Das klingt nach mehr Aufwand, als es ist.

Im Job: Ein kurzer Satz an eine Kollegin, mit der Du eng zusammenarbeitest, reicht oft völlig aus – etwas wie „Ich bin diese Woche schneller genervt als sonst, sag einfach direkt Bescheid, falls ich schroff rüberkomme, ist nicht persönlich gemeint.“ Die meisten reagieren darauf überraschend entspannt, weil sie selbst genau wissen, wovon Du sprichst.

In der Beziehung: Manche Paare tracken den Zyklus gemeinsam, andere setzen ein simples Ampelsystem im gemeinsamen Kalender. Wer das bequem und kostenlose per App machen möchte, kann z. B. cyclotest komplett kostenlos nutzen – so sehen Du und Dein Partner auf einen Blick, in welcher Phase Du gerade bist, ohne dass Du es jedes Mal neu erklären musst. In diesem Artikel erfährst Du mehr über Zyklustracking-Tools.

Mit den Kindern: Auch die merken oft mehr, als wir denken. Ein einfacher Satz wie „Mama ist heute etwas müder als sonst, das hat nichts mit Dir zu tun“ nimmt Kindern oft die Sorge, selbst etwas falsch gemacht zu haben.

Bei den meisten von uns reicht genau das schon aus, um durch diese Tage zu kommen, ohne dass sich jemand vor den Kopf gestoßen fühlt. Es gibt aber auch Fälle, in denen mehr dahinter steckt als das, was diese Tipps auffangen können.

Wann „Was ist los mit Dir?“ mehr bedeutet als PMS

Eine wichtige Anmerkung an dieser Stelle: Wenn die Frage „Was ist los mit Dir?“ praktisch jede Woche fällt, wenn Beziehungen oder der Job darunter ernsthaft leiden, oder wenn Du selbst das Gefühl hast, Dich in dieser Zeit kaum wiederzuerkennen, kann mehr dahinterstecken.

Man spricht dann von PMDS, der prämenstruellen dysphorischen Störung. Anders als bei PMS können hier tiefe Verzweiflung, starke Ängste oder das Gefühl völliger Überforderung auftreten – und das so ausgeprägt, dass der Alltag kaum noch zu bewältigen ist. Auch das kommt zyklisch, meist in der zweiten Zyklushälfte, und klingt mit Einsetzen der Periode wieder ab.

Das ist keine Schwäche und auch nichts, wofür Du Dich schämen musst. Sprich in diesem Fall unbedingt mit Deiner Frauenärztin oder einem Facharzt darüber – es gibt Wege, damit umzugehen, die über „einfach aushalten“ hinausgehen. Wenn Du zusätzlich jemanden an Deiner Seite haben möchtest, der Deinen Alltag mit Dir konkret durchgeht, kannst Du Dir auch eine 1:1 Hormon-Symptom-Test Session mit mir buchen – als Ergänzung zum ärztlichen Gespräch, dieses ersetzt sie nicht.

Und wenn Du meine Beiträge schon länger liest, weißt Du auch: Ich halte PMS grundsätzlich nicht für etwas, das Du einfach „normal“ finden und stillschweigend aushalten solltest, nur weil so viele Frauen davon betroffen sind. Häufig heißt nicht automatisch harmlos. Auch das PMS, das nicht die Kriterien für PMDS erfüllt, darf ernst genommen werden – und genau darum geht es in diesem Artikel.

Was Du ab jetzt sagen kannst, wenn jemand fragt

Du musst diese Frage nicht mehr mit „Nichts“ beantworten, nur weil es der schnellste Ausweg ist. Die ehrlichere Antwort – „Ich bin gerade echt kurz vorm Explodieren, das hat nichts mit Dir zu tun“ – kostet im ersten Moment mehr Mut. Aber sie erspart Dir langfristig genau die Distanz, die „Nichts, alles gut“ jedes Mal aufs Neue schafft.

Falls Du dabei noch etwas Begleitung gebrauchen kannst: 0€ Zyklus-Unlocked hilft Dir, Deinen eigenen Rhythmus in 10 Tagen kostenlos besser kennenzulernen. Und wenn Du merkst, dass es bei Dir nicht nur um einzelne Tage geht, sondern um ein Muster, das Dich jeden Monat aufs Neue überrollt, findest Du in Menstruation ohne Frustration einen Weg, der über einzelne Sätze hinausgeht.

Beim nächsten Mal, wenn jemand fragt, was los ist, weißt Du es schon vorher – und musst nicht mehr rätseln, warum Dich ausgerechnet ein falsch eingeräumter Teller so aus der Bahn wirft.

Und wenn Du eine Freundin hast, die von dieser Frage genauso genervt ist wie Du: Leite ihr diesen Artikel einfach weiter. Oft sagt das mehr als jede eigene Erklärung – „Du bist nicht allein damit“, ganz ohne selbst noch groß was dazu sagen zu müssen.

Ich bin Zyklus- und Hormoncoach und meine Mission ist es, Frauen zurück in ihre hormonelle Balance zu begleiten. Damit sie aufhören, zu leiden und gegen ihren Körper anzukämpfen, und endlich wieder im Einklang mit ihrer weiblichen Natur leben.

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